Das machen erfolgreiche Betriebe bei der Lehrlingsausbildung richtig

Das machen erfolgreiche Lehrbetriebe richtig

Wer schon von Anfang an auf eine gute Lehrlingsausbildung setzt, kann gegen Fachkräftemangel gut vorsorgen. Erfahren Sie anhand Praxisbeispielen, was Lehrlinge wirklich wollen und was erfolgreiche Betriebe bei der Lehrlingsausbildung richtig machen und lassen Sie sich inspirieren.

Investition in die Lehrlingsausbildung als Vorsorge zum Fachkräftemangel

Unternehmen sind heute nicht nur von Fachkräftemangel betroffen. Die Herausforderung setzt schon viel früher an, nämlich bei den jungen Mitarbeitenden – den Lehrlingen. Für Betriebe ist die Lehrlingsausbildung eine Investition in die Zukunft, denn durch die Ausbildung von jungen Menschen können sie ihren zukünftigen Bedarf an qualifizierten Fachkräften selbst decken. Eine Investition, um gleichzeitig die wirtschaftlichen Kosten überschaubar zu halten, die in der Suche nach neuen Lehrlingen und Mitarbeitenden entstehen.

Die folgende Statistik veranschaulicht, welche durchschnittlichen Kosten und Erträge (in Form von produktiven Leistungen) im Laufe der Lehrlingsausbildung entstehen und wie wichtig es daher ist, ausgebildete Lehrlinge langfristig im Unternehmen zu behalten.

Durchschnittlichen Kosten und Erträge im Laufe der LehrausbildungQuelle: öibf-Betriebsbefragung 2015 (n= 581 ausbildungsaktive Betriebe).

Erklärung: Die Bruttokosten beschreiben die Kostendimensionen, die bei der Lehrausbildung anfallen. Diesen werden die produktiven Leistungen gegenübergestellt, die den monetären Wert beschreiben, den die Lehrlinge durch ihre Tätigkeiten erwirtschaften. Daraus ergeben sich die Nettokosten (Schlögl & Mayerl, 2016).

„ […] Durch die eigene Ausbildung von Lehrlingen werden in diesem Fall die Kosten zur Deckung des Fachkräftebedarfs am externen Arbeitsmarkt eingespart. In der Stichprobe geben die Lehrbetriebe im Durchschnitt an, dass etwa 63 % der Fachkräfte nach einem Jahr und 47 % der Fachkräfte auch nach drei Jahren noch im Betrieb beschäftigt sind (Schlögl & Mayerl, 2016).“

Doch was wollen die Lehrlinge? Und wie können Unternehmen alles „richtig“ machen?

Die Benchmark-Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung und Lehrlingsbefragung von Great Place to Work® verdeutlicht eine klare Tendenz: Bei den ausgezeichneten Betrieben beider Gruppen bewerten die Lehrlinge ihren Arbeitgeber tendenzielle schlechter als es die gesamte MitarbeiterInnen-Belegschaft tut.

Unterschied Lehrlinge Mitarbeitende Mitarbeiterzufriedenheit
Quelle: Great Place to Work®

„Insgesamt kann ich sagen, das hier ist ein guter Arbeitsplatz.“
Während 91 % der Mitarbeitenden dieser Aussage zustimmen, sind es bei den Lehrlingen mit 86 % weniger. So die Tendenz bei den bereits ausgezeichneten beziehungsweise zertifizierten „Great Start“ Betrieben.

Es besteht die Gefahr, dass Lehrlinge nicht ausreichend früh integriert werden und die Bindung an das Unternehmen nicht immer geschafft wird. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, dass man von Anfang an auf die Bedürfnisse der Lehrlinge eingeht.

1. Lehrlinge wollen von Anfang an integriert werden

Nicht nur Mitarbeitende, auch Lehrlinge wollen von Anfang an in das Unternehmen integriert und aufgenommen werden. Sie wollen sich als ein Mitglied und Teil des Unternehmens fühlen.
Daher ist es für Lehrbetriebe noch wichtiger, von Beginn an eine Ausbildungskultur zu entwickeln, die auf Vertrauen basiert damit sich die Lehrlinge wohlfühlen und noch lange bleiben. Das gelingt schon beim Einstellungsprozess und Onboarding.

2. Lehrlinge wollen als neuer Lehrling willkommen sein

Damit Lehrlinge gut ins Unternehmen integriert werden, wollen sie schon von Anfang an willkommen geheißen werden.
Unternehmen können schon vor Beginn der Lehre unterschiedliche Maßnahmen setzen. Eine gute Möglichkeit dafür ist, mit den Lehrlingen und deren Eltern vor Antritt der Lehre Kontakt aufzunehmen. Das gelingt in Form eines Informationsabends oder einer netter Willkommenskarte, die nachhause geschickt wird.

3. Lehrlinge wollen unabhängig ihrer Person als vollwertiges Mitglied behandelt werden

Lehrlinge sind, wie der Name schon sagt, dabei einen Beruf zu „erlernen“ und haben noch nicht die Fähigkeiten und das Wissen eines ausgelernten Mitarbeiters, dennoch wollen sie wie ein vollwertiges Mitglied wahrgenommen werden.
AusbilderInnen und Vorgesetzte tun dies, indem sie Wertschätzung und Dankbarkeit für geleistet Arbeit zeigen. Einem direkt ausgesprochenen „Danke für deinen Einsatz“ folgt große Wirkung. Manche Betriebe haben Bonusprogramme eingeführt, wobei Lehrlinge für ihren Einsatz Punkte sammeln und diese am Ende der Lehre für ein Geschenk einlösen.

4. Lehrlinge wollen „sie selbst sein“

Lehrlinge wollen „sie selbst sein“ und sich nicht verstellen. Das können sie, wenn sie sich ernst genommen fühlen und die Zusammenarbeit von Vertrauen geprägt ist. Ein ehrliches Feedback seitens der AusbilderInnen und eine freundschaftliche Arbeitsatmosphäre tragen wesentlich dazu bei.

5. Lehrlinge wollen einen wichtigen Beitrag leisten

Lehrlingen wollen einen wertvollen Beitrag leisten und nicht das Gefühl haben, einfache und unwichtige Tätigkeiten zu verrichten.
Unternehmen signalisieren den Wert der Lehrlingstätigkeit, indem sie ihren Lehrlingen zeigen, dass auch ein „kleiner“ Beitrag essenziell für das „große Gesamtwerk“ ist. Kennen junge Menschen die Abläufe und das Endprodukt, verstehen sie, wie wichtig jeder einzelne Handgriff dafür und können so am Erfolg teilhaben.
Zusätzlich geben manche Lehrbetriebe den älteren Lehrlingen die Chance, für kurze Zeit in die Rolle eines ausgelernten Mitarbeitenden oder sogar einer Führungsperson zu schlüpfen. Dabei übernehmen sie eine Aufgabe mit großer Verantwortung.

Das sagen Lehrlinge österreichweit

Erfolgreiche Lehrbetriebe haben eines gemeinsam: Sie leben eine wertschätzende Ausbildungskultur, in der sich die Lehrlinge von Anfang an wohlfühlen. Das veranschaulichen die Ergebnisse, die den Unterschied zwischen den von Great Place to Work® ausgezeichneten Lehrbetrieben mit dem Durchschnitt in Österreich vergleichen. Eine vertrauensbasierte Ausbildungskultur macht den Unterschied:

Bindung Lehrlinge bei ausgezeichneten LehrbetriebenQuelle: Great Place to Work®

 „Ich möchte nach der Lehre in meinem Unternehmen arbeiten ”:
Dazu stimmen 73 % der Lehrlinge ausgezeichneter Lehrbetriebe und nur 61 % der Lehrlinge im Österreich-Vergleich zu.

„Als neuer Lehrling fühlt man sich willkommen.“
Dazu stimmen 86 % der Lehrlinge ausgezeichneter Lehrbetriebe und nur 70 % der Lehrlinge im Österreich-Vergleich.

„Meinen Freunden würde ich das Unternehmen als Lehrbetrieb weiterempfehlen.“
Dazu stimmen 83 % der Lehrlinge ausgezeichneter Lehrbetriebe und nur 67 % der Lehrlinge im Österreich-Vergleich zu.

Praxisbeispiele zertifizierter Lehrbetriebe

Herausragende Lehrbetriebe gestalten vertrauensbasierte Ausbildungskulturen, indem sie Maßnahmen und Programme einführen, welche die Lehrlinge von Beginn an integrieren und durch ihre Lehre begleiten. Diese Programme werden von den Lehrlingen angenommen, da sie herzlich, ehrlich und wertgeschätzt gestaltet sind. Es kommt nicht auf das „Was“ an, vielmehr steht das „Wie“ im Vordergrund.

Lassen Sie sich inspirieren von den ausgewählten Praxisbeispielen:

• Spielerisches Onboarding

Für Lehrlinge ist es eine besondere Freude, wenn Sie schon an ihren ersten Arbeitstagen eine Aufgabe erfolgreich meistern dürfen. Unternehmen, können neben der reinen Einschulung ein Spiel mit mehreren Aufgabenstellungen vorbereiten. Das kann in Form eines Rätsels stattfinden, indem die Lehrlinge ihr Arbeitsumfeld erkunden. Der Teamgeist unter den Lehrlingen wird zusätzlich gestärkt, wenn die Aufgaben in Teams verrichtet werden. Auf diese Weise können die Lehrlinge das Unternehmen eigenständig erkunden und sich mit Wegen und Ansprechpersonen vertraut machen, die sie künftig brauchen. Gleichzeitig lernen sie so ihre Ansprechpersonen und KollegInnen kennen.

• Action verbindet!

Auch ein anderes Beispiel aus der Praxis zeigt, wie wichtig die Integration zu Beginn ist und wie diese kreativ und teamfördernd durchgeführt werden kann: Um sich in entspannter und spaßiger Atmosphäre kennenzulernen, werden innerhalb der ersten zwei Wochen der Lehre gemeinsam mit den Lehrlingen aus den anderen Jahrgängen eine eintägige Outdoor-Aktivität organisiert. Dabei kann es sich beispielsweise um einen Besuch im Waldseilpark oder einen Wanderausflug mit Abfahrt der Sommerrodelbahn handeln. Solche Unternehmungen bieten den Neuankömmlingen die Möglichkeit, sich mit älteren Kollegen auszutauschen, wodurch sie an Selbstsicherheit und Vertrauen gewinnen können. Außerdem wird auch der Teamgedanke durch solche Aktivitäten gestärkt und Raum für die Entstehung erster Freundschaften gegeben.

• Lehrlinge on Tour!

Eine weitere Möglichkeit, seinen Lehrlingen eine besondere Erfahrung zu bieten, ist die Übertragung von mehr Verantwortung. Eine Woche lang dürfen die Auszubildenden eine Filiale selbstständig und eigenverantwortlich leiten. Während dieser Zeit lernen die Jugendlichen Führungskompetenzen, Organisation und Koordination. Dieser Vertrauensbeweis seitens des Unternehmens und die zahlreichen Aufgabenbereiche, die sich den Jugendlichen in den Tagen ergeben, werden sehr geschätzt. Deshalb wird auch äußerst motiviert und zuverlässig an diese Herausforderung herangegangen.

Fazit: Erfolgreiche Betriebe machen bei der Lehrlingsausbildung vieles richtig

Um bei der Ausbildung von jungen Menschen erfolgreich zu sein, wird es nicht ausreichen, lediglich Fachkompetenzen zu vermitteln. Der menschliche Faktor spielt eine ebenso große Rolle. Das bedeutet, auf Lehrlinge einzugehen und die Stärken und Schwächen eines jeden Einzelnen anzuerkennen. Rücksicht auf das jeweilige Lerntempo des Lehrlings zu nehmen, aber auch motivierend hinter ihm zu stehen, wenn Aufgaben erledigt werden müssen. Des Weiteren wird es für den Betrieb bereichernd sein, Lehrlingen im Laufe der Ausbildung immer mehr zuzutrauen und ihnen mit der Zeit eigene Verantwortungen zu übertragen – natürlich ohne ihn oder sie dabei zu überfordern.

Zuletzt tut es den Jugendlichen besonders gut, durch Lob, Anerkennung und vor allem Wertschätzung regelmäßig motiviert zu werden. Kritik bleibt dem Menschen stärker im Gedächtnis, weshalb nicht jeder Fehler angekreidet werden sollte und dennoch mit konstruktivem Feedback Fehler vermieden werden können. Durch ehrliches Lob wird das Selbstbewusstsein des Lehrlings gestärkt und seine Motivation gefördert, was wiederum zu guten Ergebnissen bei Arbeitsaufgaben führen wird. So kann der Lehrling nachhaltig bestärkt werden und das Unternehmen einen qualifizierten und vertrauenswürdigen Mitarbeiter gewinnen.

Neuer Call-to-Action

Quelle: öibf-Betriebsbefragung 2015 (n= 581 ausbildungsaktive Betriebe). Publiziert in: Schlögl, Peter / Mayerl, Martin (2016): Betriebsbefragung zu Kosten und Nutzen der Lehrlingsausbildung in Österreich.



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