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Zurück aus der Zukunft – ein Interview mit Prof. Dr. René Schmidpeter

Rene Schmidpeter

Professor Dr. René Schmidpeter ist innovativer Vordenker im Bereich Wirtschaftswissenschaft und Nachhaltigkeit. Derzeit hat er die Professur für Nachhaltiges Management an der IU – Internationale Hochschule in München inne, ist als Gastprofessor an internationalen Universitäten tätig, ist Herausgeber des International Journal of Corporate Social Responsibility und Editor der Enzyklopädie für Nachhaltiges Management.

Im Zuge der Sonderausgabe zu Award Ceremony Österreichs Beste Arbeitgeber 2021 in der Zeitung Die Presse führt Doris Palz, Geschäftsführerin von Great Place to Work, ein Perspektivengespräch mit René Schmidpeter, über die Zukunftswirkung von CSR (Corporate Social Responsibilty) und fragt nach Überlegungen, was den Menschen zum entscheidenden Faktor im Morgen und Übermorgen von Wirtschaft und Innovation macht.

Das Gespräch führt zu Themen der sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen und weshalb diese gerade aktuell von so großer Wichtigkeit sind.

 

 

Doris Palz: Wollen wir mit einem gemeinsamen Experiment starten? Begeben wir uns für einen Moment in die Zukunft. Wir finden uns im Jahr 2030 wieder. Wie hat sich die Wirtschaftswelt und auch die Gesellschaft verändert?

René Schmidpeter: Die Zukunft kann man ja bekanntlich schwer voraussagen, was man jedoch kann, ist sie gestalten. Ich denke, dass wir im Jahr 2030 den Wandel geschafft haben, dass wir das Verständnis der Gegensätzlichkeit von Wirtschaft und Gesellschaft überwunden haben werden. In Hinblick auf Entwicklungen wie den Klimawandel, aber auch der steigenden sozialen Ungleichheit, bleibt uns kaum etwas anderes übrig, als an eine Form der Wirtschaft zu denken, die weitestgehend vom globalen Ressourcenverbrauch entkoppelt ist.

Wir denken dahingehend 2021 noch zu sehr in alten Kategorien. In der Zukunft werden wir z.B. nicht darüber nachdenken, wie wir den negativen Impact auf unsere Erde und die Gesellschaft verringern können. Wir werden stattdessen danach fragen, wie wir einen wirtschaftlich positiven Impact für die Gesellschaft und die Umwelt generieren können. Es wird darum gehen die Wirtschaft integrativ als Treiber auch für gesellschaftliche Innovationen zu begreifen.

Doris Palz: Wenn wir aus dieser Zukunfts-Perspektive zurückblicken, was wird dieses Chancendenken besonders gefördert haben?

René Schmidpeter: Komplexität nimmt immer weiter zu. Um dieser Komplexität und auch der damit verbundenen Verunsicherung richtig begegnen zu können, wird man gemeinsam, weltweit über die Zukunft diskutieren müssen. Es kann eben nicht so sein, dass die Einen gewinnen und die Anderen verlieren. Herausforderungen wie den Klimawandel oder auch die Corona-Pandemie können wir nur gemeinsam meistern oder gemeinsam verlieren.

Die zweite Erkenntnis, die wir gewinnen werden, ist die Tatsache, dass Leben und Arbeit keinen Gegensatz darstellen. Sinnstiftende Arbeit ist nicht nur das, was viele junge Menschen wollen, um einen positiven gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Es kommt auch dem Unternehmen zugute, und fördert einen Mehrwert für eine zukunftsfähige Welt.

Doris Palz: Wenn Arbeit ein natürlicher Teilbereich des Lebens wird, wenn sie zu einer integrierten Investition der Lebenszeit wird, welchen Stellenwert wird Arbeit dann noch haben und inwieweit wird sie uns auslasten?

René Schmidpeter: Der heutige Arbeitsbegriff ist sehr stark von der Agrar- und Industriegesellschaft geprägt, in welcher der Mensch sehr funktional betrachtet wurde. Bestimmte Ergebnisse müssen in einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort geliefert werden. Diese Rolle wird in Zukunft vermehrt von KI, Computern und Robotern übernommen werden.

Das bringt die Chance mit sich, Menschen ganz neu in ihren individuellen Fähigkeiten zu definieren. Kreative Talente, schöpferische Imagination, künstlerische Potenziale, aber auch die genuin sozialen Fähigkeiten des Menschen, können dann stärker zum Ausdruck gebracht werden. Dazu müssen wir aber natürlich jede Einzelne und jeden Einzelnen mitnehmen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine kann ganz neue Chancen und Märkte eröffnen. Technologie kann und wird einen positiven Beitrag leisten können, auch im Hinblick auf den Klimawandel, solange wir ganz bewusst neue Technologien nutzen und den Menschen in den Mittelpunkt stellen.

Doris Palz: Wird es Arbeit in dieser Form denn dann noch geben? Werden Wirtschaftsorganisationen noch ähnlich ticken wie sie es heute tun oder wird alles auf ein gleichwertiges Zusammenwirken der Menschen, auf mehr Zusammenarbeit auf Augenhöhe hinauslaufen?

René Schmidpeter: In der Wirtschaft wird bereits jetzt eine Veränderung der Grundlagen eingefordert. Auch Investoren fordern immer mehr „Purpose“ und „Impact-Orientierung“ in den Unternehmen. Es wird erwartet, dass Unternehmen aufzeigen, welchen gesellschaftlichen Beitrag diese leisten. Danach werden auch die Unternehmenswerte in Zukunft viel stärker beurteilt werden. Ziel wird es sein das gesamte Unternehmen, also alle Mitarbeitenden in diesen „Purpose“ zu integrieren und dadurch ganz neue Strukturen und Arbeitsplätze zu schaffen.

Durch diese Neuorganisation von Arbeit wird es meines Erachtens sogar mehr, vor allem qualitativ hochwertigere Arbeit geben, weil jede*r Einzelne tatsächlich noch sehr viel mehr positiven Beitrag für das Unternehmen, aber auch für die Gesellschaft liefern kann. Menschen werden sich wieder stärker mit ihrer Arbeit identifizieren können und dadurch auch leistungsfähiger werden.

Doris Palz: Kann dieser Paradigmenwechsel wirklich weltweit gelingen?

Remé Schmidpeter: Nein. Und vor Allem nicht gleichzeitig. Manche Länder werden andere Wege gehen, manche werden verharren. Aber wir werden auch bestimmt solche Länder und Unternehmen sehen, die zu Vorreitern werden. Und ich glaube, dass durch einen schnellen Informations- und Innovations-Austausch, den wir dank digitaler Medien heute haben, sich positives Wissen sehr schnell global verbreiten kann. Wir werden als Weltgesellschaft zusammenarbeiten müssen, weil keiner von uns weiß, von wem, wo und zu welcher Zeit welche Innovation entsteht, die wir dann aber als Kollektiv brauchen, um gut zu überleben.

Doris Palz: Wir gehen also auf ein Zeitalter ungeahnter Möglichkeiten zu. Was für eine Rolle spielen in diesem Kontext ethische Gedanken?

René Schmidpeter: Es geht nicht darum, den Menschen in der Zukunft durch Technologie zu ersetzen, sondern im Grunde mittels Technologie den Menschen in seiner eigenen Entwicklung und seinen Fähigkeiten zu stärken. Gleichzeitig müssen wir aber auch wieder stärker die menschlichen Bedürfnisse zulassen und diskutieren. Der Dreiklang Mensch, Natur und Technik in einem wirtschaftlichen System, welches positiven Impact für die Gesellschaft generiert und damit holistisch zusammenspielt, ist letztendlich das Ziel, welches uns erlaubt, natürlich zu sein, Mensch zu sein, und welches uns hilft, die Technik dafür einzusetzen, die Natur in ihrer Regeneration zu unterstützen.

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 > Verpassen Sie nicht die Keynote von Prof. Dr. Schmidpeter im Rahmen der Award Ceremony "Österreichs Beste Arbeitgeber 2021". Am 28. Mai um 19:00 Uhr auf PULS 24 oder hier als Live-Stream <



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