Top Unternehmen lernen voneinander

Top Unternehmen lernen voneinander
Dr. Harald Thurnher

Dr. Harald Thurnher, Geschäftsführer von TechnoKontakte Veranstaltungs-GmbH, verrät im Gespräch mit Great Place to Work Österreich®, die Erfolge und Visionen von Führungskräften, das Miteinander gegen Probleme am Fachkräftemarkt und die Menschen hinter Unternehmensstrukturen. Und dabei inspirieren sich die Unternehmen gegenseitig, denn in Best Practices Seminaren lernen Top-Unternehmen voneinander zu unterschiedlichen Themen.

„Nicht Leben um zu sein, sondern Leben um zu wirken“. Ein Leitsatz den erfolgreiche Führungspositionen miteinander teilen? Wie sehen Sie das?

Dr. Harald Thurnher: Das ist eine philosophische Frage, über die man Bücher schreiben könnte. Ich würde sagen, dass ein Manager oder eine Managerin zuerst „sein“ muss, sich selbst gefunden haben muss, um authentisch führen und wirken zu können. Dass dies in der Praxis für viele ManagerInnen gar nicht so leicht ist, sieht man daran, dass sehr gute Führungskräfteseminare in der Regel sehr gut gebucht sind. Aber sicher ist, dass jede Führungsposition eine exzellente „Wirkstätte“ darstellt. Vor allem in KMU`s bekommen die Führungskräfte meist sehr schnell eine Erfolgs- oder Misserfolgsantwort auf ihr Wirken. In sehr großen Unternehmen oder Konzernen sind Führungspositionen oft nicht so nah am Ergebnis ihres Wirkens.

Seit über 24 Jahren organisiert TechnoKontakte die Initiative „Top-Unternehmen präsentieren Erfolgsmodelle – Wissen aus der Praxis von erstklassigen Betrieben“. Was steht hinter der Initiative?  

Dr. Harald Thurnher:  Das Best Practice-Programm „Technokontakte – Top-Unternehmen lernen voneinander“ wurde 1995 vom Wirtschaftsministerium initiiert. Um diese Idee zu verwirklichen, habe ich damals die Technokontakte Veranstaltungs-GmbH gegründet. Vorerst war bei den Unternehmen eine Überzeugungsarbeit notwendig, denn dass man sein Know-how einfach betriebsfremden Fach- und Führungskräften vorstellt und diese noch in das eigene Unternehmen einlädt, war ein überaus fortschrittlicher Ansatz, um die Innovationskraft der heimischen Wirtschaft zu stärken. Uns ist jedoch sehr schnell gelungen, Paradeunternehmen von dieser Idee zu überzeugen, sodass wir im Jahr 1996 mit 30 Best Practice-Seminaren starten konnten. Inzwischen führen wir jährlich hauptsächlich bei produzierenden Top-Unternehmen 70 bis 80 Seminare zu unterschiedlichen Themen durch.  Zu den Schwerpunkten gehören Produktion/Lean Management, Industrie 4.0, Human Resources, Innovation oder Logistik. An diesen Seminaren nehmen in ganz Österreich rund 1.000 weiterbildungsfreudige Unternehmer und Manager teil.

Wie profitieren Unternehmen von Erfolgsgeschichten anderer?

Dr. Harald Thurnher: Unsere Seminare werden permanent evaluiert. Wir teilen am Ende jeder Veranstaltung einen Fragebogen aus und hören oft nach Monaten von Personen, die wieder bei Seminaren teilnehmen, wie sie von den Veranstaltungen profitieren. Wie Weiterbildungsexperten immer wieder betonen, lernt man am meisten, wenn das Wissen aus der Praxis des Tuns stammt und man auch sehen kann, wie dieses Wissen in einem Unternehmen angewandt wird. Ein Technokontakte-Seminar findet deshalb immer bei einem gastgebenden Unternehmen statt. Sie dauern von 9.00 bis 16.00 Uhr, sodass man in der Regel auch wenn man weiter entfernt ist, noch in der Früh anreisen und dann wieder nach Hause fahren kann. Am Vormittag stellt das Unternehmen in einem theoretischen Teil ein oder mehrere Projekte zu den genannten Themen vor und berichtet von den Erfahrungen und Ergebnissen ihrer Arbeit. Nach einem Mittagessen geht man in der Regel ein bis zwei Stunden durch die Produktion und sieht dort, wie das Wissen umgesetzt wurde. Das ist für jeden Seminarbesucher ein ganz besonderes Erlebnis, weil sich so ein Rundgang von einer herkömmlichen Betriebsbesichtigung sehr abhebt. Man bekommt wirklich einen ganz einmaligen Einblick in das Herz jedes Unternehmens und so ist es nicht überraschend, dass die Technokontakte-BesucherInnen äußerst motiviert und vielen Verbesserungsvorschlägen in das eigene Unternehmen zurückfahren. Aber auch für die gastgebende Unternehmen zahlt sich die Gestaltung eines solchen Best Practice-Seminares aus: es ist nicht nur besondere Werbung für die Firma, sondern durch das Feedback der BesucherInnen kommen von außen neue Anregungen, Bestätigungen und zum Teil auch Verbesserungsvorschläge in das Unternehmen. Und so nebenbei entstehen interessante Bindungen zu Firmen und Personen, zu denen man früher keinen Kontakt hatte.

Verfolgt TechnoKontakte mit den Best Practice-Seminaren eine bestimmte Vision?

Dr. Harald Thurnher: Ja, das kann man schon sagen. Ich denke, dass Unternehmen in einem kleinen Land wie Österreich auf den Weltmärkten nur dann erfolgreich sind, wenn sie zusammenhalten und sich – wenn möglich – auch gegenseitig unterstützen. Es hat sich gezeigt, dass sich Firmen, die sehr erfolgreich sind, nicht verschließen und sicher auch kein Problem haben, wenn einmal ein Mitbewerber das Unternehmen betritt. In der Regel haben ja gerade die Mitbewerber ähnliche Probleme zu lösen. Unsere Vision besteht darin, dass sich Wissen vermehrt, wenn man es teilt und dass diejenigen Unternehmen erfolgreich sind und sein werden, die sich vernetzen und austauschen. Ich bin auch der Meinung, dass diejenigen etwas bekommen, die zuerst etwas geben. Das gilt für den einzelnen Menschen genauso wie für ein Unternehmen.

Menschen gestalten Unternehmen, und damit die Wirtschaft. Hat der Erfolg eines Unternehmens Ihrer Meinung nach unmittelbar etwas mit der Mitarbeiterorientierung zu tun und sind solche Unternehmen erfolgreicher?

Dr. Harald Thurnher: Diese Frage kann nur mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden – obwohl mir der Vergleich ein wenig fehlt. Ich komme mit Technokontakte – wir haben schon über 1.000 Seminare bei Top-Unternehmen durchgeführt und sind immer persönlich dabei – immer nur in erfolgreiche Unternehmen. Eigentlich spürt man den Erfolg eines Unternehmens schon, wenn man durch die Eingangstür geht. Ich stelle bei den Technokontakte-Gastgebern praktisch ausnahmslos fest, dass die MitarbeiterInnen dieser Firmen - angefangen vom Empfang bis zum Top-Management – mit Begeisterung, Freundlichkeit, Wertschätzung und überdurchschnittlicher Motivation ihre Aufgaben erfüllen. Dass Fachwissen und Innovationsfreude auch immer zu sehen sind, ist fast selbstverständlich. Da wir bei prominenten Gastgebern, wie etwa Atomic, Palfinger, Magna, Fill, Pöttinger, REWE, Sonnentor oder Worthington u.a. – schon seit vielen Jahren Seminare durchführen, sehen wir auch, in welchem Tempo sich diese Unternehmen weiterentwickeln. Diese Entwicklung wäre ohne begeisterte MitarbeiterInnen sicher nicht möglich. Ein besonderes Erlebnis ist für unsere BesucherInnen, immer wieder auch bei den Gewinnern des Great Place To Work-Wettbewerbes zu Gast zu sein. Der mehrmalige Sieger Ihres Wettbewerbes, Worthington Cylinders, hat in den letzten 10 Jahren seine vorbildliche HR-Arbeit immer wieder in Seminaren vorgestellt. Und ich kenne schon zahlreiche Unternehmen, die sich von diesem HR-Vorbild viele gute Ideen in ihren betrieblichen Alltag übernommen haben.

www.technokontakte.at



« Great Blog
+43 1 798 59 28 - 0
© Great Place To Work® Institute. All Rights Reserved.
made with by CIC