Der demografische Wandel verschärft den Wettbewerb um Talente spürbar – und rückt die junge Generation stärker denn je in den Fokus von Unternehmen. Erfahrene Fachkräfte gehen in den Ruhestand und junge Talente entscheiden über Innovationskraft, Wachstum und Zukunftsfähigkeit von Arbeitgebern.
Die Generation Z und die nachrückenden Young Professionals stellen klare Anforderungen an moderne Arbeitgeber – Herausforderungen oder Wettbewerbsvorteil? Das diskutieren Felix Behm (Gen-Z & Gen-Alpha Experte, Speaker, Autor, Next-Gen Navigator), Martin Stein, (Head of HR, Hilti Austria), Christian Trübenbach (Great Place To Work® Österreich) und Stefan Borgelt (Great Place To Work® Deutschland) im On Demand Webinar.
Felix Behm deckt drei Bausteine auf, um die junge Generation langfristig zu binden. Martin Stein gibt Praxiseinblicke von Hilti Austria und verrät die geheime Strategie des Unternehmens, um ein großartiger Arbeitgeber zu werden.
Das komplette Webinar gibt es On Demand hier zum Nachhören:
Was sich die Gen Z von ihrem Arbeitgeber wünschen
Eines steht fest: Wer Talente der Gen Z gewinnen und langfristig binden will, muss deren Bedürfnisse, Erwartungen und Stärken genau verstehen.
Aktuelle Zahlen aus dem Young Talents Report 2026 unterstreichen: Junge Menschen wünschen sich eine Arbeit, die einen besonderen Sinn für sie hat und Führungskräfte, die Aufmerksamkeit und Anerkennung geben.
Zwei spannende Erkenntnisse aus dem Report:
72 % der jungen Mitarbeitenden bei den Best Workplaces for Young Talents 2026 geben an, dass ihre Arbeiten einen besonderen Sinn für sie hat (im österreichischen Durchschnitt sind dies nur 42 %).
83 % der jungen Mitarbeitenden bei den Best Workplaces for Young Talents 2026 geben an, dass sie Aufmerksamkeit und Anerkennung für jede*n bekommen (im österreichischen Durchschnitt sind dies nur 45 %).
Ein Generationenthema – warum das für Unternehmen wichtig ist
Felix Behm eröffnet seinen Vortrag, indem er einen guten Überblick über die Generationen bietet:
Unterschiedliche Zeit-Epochen führen dazu, dass Menschen unterschiedliche Bedürfnisse und Erfahrungen haben.
Für Unternehmen ist es wichtig, die Altersstruktur der Mitarbeitenden im Unternehmen zu kennen: Wie viele Personen stehen vor der Pensionierung und wie viele junge Mitarbeitende gibt es?
Weiters müssen Arbeitgeber ganz klar Rahmenbedingungen setzen, um junge Mitarbeitende ins Unternehmen zu holen und zu halten. Behm betont, dass sich Unternehmen zu wenig Gedanken darüber machen, wie Menschen aufgewachsen sind. Er benennt drei Bereiche, die Berücksichtigungen benötigen, um die junge Generation „richtig“ ansprechen zu können:
- Erziehung: Junge Menschen sind anders geprägt und haben andere Werte.
- Äußere Einflüsse: Rahmenbedingungen haben sich verändert.
- Kommunikation: Auch die Kommunikation hat sich verändert.
Man muss die Lebenswelten der jungen Talente kennen.
Drei Bausteine, um die junge Generation langfristig zu binden
Behm hebt drei Bausteine hervor, die aus seiner Expertensicht das Fundament darstellen:
1. Wertschätzung
Junge Mitarbeitende brauchen Feedback – und zwar sofort. Diese Generation wachst mit Smartphones und Social Media auf – eine Welt, die abhängig ist von „Likes“. Kommen junge Menschen in ein Unternehmen, suchen sie nahezu nach diesen „Likes“.
3 Feedback-Ideen für Unternehmen:
- Mitarbeiterbefragung: Mitarbeitende dürfen Feedback geben
- 360-Grad Feedback: Führungskräfte brauchen ein „Rundum“ Feedback
- Erfolgsmeeting: Wöchentliches Meeting, um anzusprechen, was in der jeweiligen Woche gut gelaufen ist
2. NEW Learn, New Work
Behm spricht hier das projektorientierte Arbeiten an. Dieses fördert Eigenverantwortung sowie Disziplin und schafft klare Zuständigkeiten. Begleitet wird dies im Idealfall mit Mentoring und Coaching.
3. Perspektiven
Hier geht es um Entwicklungsmöglichkeiten. Mitarbeitende brauchen eine Perspektive, wie sie sich im Unternehmen entwickeln können. Klare Wege müssen kommuniziert werden und Weiterentwicklungsmöglichkeiten angeboten werden.
Junge Talente & Mitarbeiterbindung: Praxiseinblicke von Hilti Austria
Martin Stein gibt Einblicke, wie das Unternehmen eine positive Arbeitsplatzkultur aufbaut und langfristig daran arbeitet, (junge) Mitarbeitende zu finden und zu halten. Er betont:
Mitarbeiterbindung ist eine Reise…
… die sich auszahlt – diese Betriebe sind wirtschaftlich erfolgreicher. Das belegen ganz klar die Zahlen aus der CRIF-Studie.
… die langfristig ist – weil sie nach Kontinuität verlangt.
Hiliti’s (geheime) Strategie, ein großartiger Arbeitgeber zu werden
Martin Stein spricht acht Learnings an, die das Unternehmen im Zuge der Engagement-Reise erlebt hat.
- Einsicht & Commitment: Wesentlich ist, dass im ersten Schritt das Commitment aus dem Top-Management kommt. Des weiteren ist es wesentlich, dass Führungskräfte aktiv mitarbeiten und eine generelle Veränderungsbereitschaft gegeben ist.
- Es braucht eine übergreifende Story: Mitarbeitende müssen einen gemeinsamen Bezug finden. Eine Engagement-Story tragt dazu bei, dass sich die Wahrnehmung ändert (siehe Best Practices unten).
- Der balancierte Blick: Es sollen stets positive als auch kritische Themen gleichmäßig beleuchtet werden.
- Keine Ankündigungspolitik: Themen nicht zu früh ankündigen, denn daraus entsteht eine Erwartungshaltung, die eine Eigendynamik entwickelt. Besser: Ergebnisse berichten.
- Kein Wahlkampf: Nicht nur über Dinge sprechen, sondern sie tun und das fortlaufend. Engagement muss das ganze Jahr über Thema sein – das unterstreicht die Ernsthaftigkeit.
- Teamwork: Wir ziehen alle an einem Strang
- Orientierung: Man braucht zwischendurch die Orientierung, wo man gerade auf der Engagement-Reise steht. Hier wurde die Zusammenarbeit mit Great Place To Work gestartet und sie war auf Anhieb ein Erfolg, prämiert mit einer Auszeichnung.
- Konsequenz: Unternehmen müssen sich bewusst sein, dass es nicht immer nur nach oben geht – Rückschläge gehören dazu. Daher: kontinuierlich an einem Thema arbeiten.
Best Practices bei Hilti – eine „Great Place To Work-Champion“ Gruppe: das ist ein Ehrenamt, mit je einer Person aus jedem Team, sie sich über das normale Maß hinaus für das Engagement engagieren. Die Gruppe arbeitet gemeinsam daran, das Team-Engagement hochzuhalten. Dieses Team ist zudem regelmäßig mit der Geschäftsleitung im Austausch (Round Tables alle 6 Wochen).
Angebote für Young Talents bei Hilti Austria:
Erstklassige Lehrlingsausbildung: Hier steht nicht das Angebot toller Benefits im Vordergrund. Um erstklassige Lehrlingsausbildung zu gewährleisten, braucht es spannende Berufsfelder und perfekte Rahmenbedingungen, wie gut ausgebildete Betreuer, gute Austauschmöglichkeit, Unterstützung und Zukunftsaussichten. Für junge Mitarbeitende ist es sehr wichtig, Weiterentwicklungs-Möglichkeiten im Unternehmen aufzuzeigen.
Zielgruppenspezifische Traineeships: Schwerpunk ist hierbei unter anderem mit unterschiedlichen Projekten und Themen in Berührung zu kommen, die außerhalb der eigenen Rolle liegen. Der Community Aspekt und sehr starke Vernetzung sind wesentlich, sowie Orientierung zu geben, welche Entwicklungsmöglichkeiten es im Unternehmen gibt.
Allgemeine Angebote für junge Talente im Unternehmen:
- Solides Onboarding
- Angebote für informelle Netzwerke
- Projekte für soziales Engagement
- Generell Flexibilität in den Angeboten
- Früh Verantwortung übernehmen dürfen
- Aktives Entwicklungsmanagement
- Internationale Entwicklungsmöglichkeiten
FAZIT: Gen Z verstehen und Wettbewerbsvorteil sichern
Matin Stein resümiert, worauf es ankommt und was sich junge Mitarbeitende wünschen: Spannende Aufgaben, inspirierende Menschen und Entwicklungsmöglichkeiten.
Christian Trübenbach rundet das Webinar ab und bringt auf den Punkt: "Wenn Unternehmen auf das Wohlergehen der Mitarbeitenden schauen, geht es den Mitarbeitenden besser und daraus folgend auch dem Unternehmen".
Über die Autorin
Anna-Maria Mahayni ist Content Creator bei Great Place To Work® Österreich und vereint ihre publizistik- und kommunikationswissenschaftliche Expertise mit über zehn Jahren Erfahrung im Unternehmen. Auf dieser Basis entwickelt sie hochwertigen Content rund um Unternehmenskultur, Mitarbeiterbefragungen und moderne Arbeitswelten.
Mit ihrer Leidenschaft für Sprache und das geschriebene Wort bereitet sie Trends der Arbeitswelt zielgruppenorientiert und inhaltlich präzise auf. Ihr Anspruch ist es, Leser:innen echten Mehrwert, neues Wissen und zugleich die Vision von Great Place To Work® zu vermitteln.
Darüber hinaus widmet sie sich mit großem Engagement der Sichtbarmachung von Best Workplaces. Sie erstellt professionelle Inhalte, die exzellente Arbeitgeber stärken, ihre Besonderheiten hervorheben und ihnen eine authentische Bühne bieten.
Gemeinsam mit dem Team trägt sie wesentlich dazu bei, die Vision eines Arbeitsplatzes „For All™“ in Österreich zu verankern und weiterzuentwickeln.
