Führung mit KI bedeutet weit mehr als neue Tools einzuführen. KI verändert, wie Menschen arbeiten, lernen, Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. Ein wesentlicher Shift dabei: Alle Mitarbeitenden, die mit KI arbeiten, werden zu ihrer Führungskraft.
KI macht uns gleichzeitig produktiver und nervöser. Genau diese Ambivalenz beschreibt Karin Krobath von identifire® in unserem Webinar mit dem Begriff „Angstfreude“: Auf der einen Seite steht die Begeisterung darüber, was plötzlich möglich wird. Auf der anderen Seite stehen Fragen nach Jobs, Leistung, Kontrolle und der eigenen Relevanz.
Für Unternehmen stellt sich deshalb eine zentrale Frage: Wie können unsere Mitarbeitenden so mit KI arbeiten, dass aus Unsicherheit Gestaltungskraft wird?
Die Antwort beginnt nicht bei der Technologie. Sie beginnt bei den Menschen, ihrer Haltung und der Unternehmenskultur.
„Jeder der promptet, führt eine supersmarte und hyperaktive Assistentin. Sie kann mehr als man selbst – aber nur durch unseren Kontext und unser kritisches Feedback.“
Dr. Karin Krobath, Partnerin von identifire®
Im On-Demand-Webinar „Jetzt führen alle – prompt“ geht Great Place To Work gemeinsam mit Expertinnen noch tiefer in die Themen Angstfreude, KI-Kompetenz, psychologische Sicherheit, Führung und die Erfahrungen von Dynatrace ein.
Zwischen Angst und Freude
KI verschiebt nicht nur Prozesse. Sie verändert auch das Verständnis davon, was Leistung bedeutet.
Wenn Mitarbeitende mit KI Anwendungen entwickeln, Aufgaben schneller erledigen oder neue Lösungen finden können, entsteht eine neue Frage: Was ist dann eigentlich noch meine Leistung?
Diese Frage zeigt, wie tiefgreifend der Wandel ist. Denn wenn Technologie immer mehr Aufgaben übernehmen kann, müssen Menschen ihre eigene Rolle neu ausrichten.
Führung mit KI braucht Critical Thinking
KI liefert immer Ergebnisse. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Sind diese Ergebnisse auch sinnvoll, umfassend, korrekt im Detail?
Genau hier gewinnt Critical Thinking an Bedeutung. Ergebnisse müssen hinterfragt, eingeordnet und auf ihre Auswirkungen geprüft werden.
Die Experimentierfreude und Beurteilungskraft von Führungskräften und Mitarbeitenden zu trainieren, ist daher ein Gebot der Stunde.
Wenn die eigene Relevanz zur Frage wird
Neben der Freude gibt es eine weitere Dimension der KI-Transformation: FOBO – Fear of becoming obsolete.
Gemeint ist die Angst, den Anschluss zu verlieren oder nicht mehr relevant zu sein. Diese Sorge ist ein Teil der KI-Transformation und sollte in Unternehmen nicht einfach ausgeblendet werden.
Die Zahlen aus dem Jobselling Report 2026 zeigen dabei ein differenziertes Bild:

Auffällig ist: Die Angst vor dem konkreten Jobverlust liegt mit 14,8 % deutlich niedriger als andere Sorgen. Im Vordergrund stehen Kontrollverlust, Unsicherheit und die Frage, was KI mit menschlichen Fähigkeiten macht.
Auch Alter und Geschlecht spielen eine Rolle. Die berufliche KI-Nutzung liegt bei 41,9 % bei Männern und 32,4 % bei Frauen. Bei den 14- bis 29-Jährigen liegt sie bei 47,0 %, bei den 50- bis 69-Jährigen bei 28,9 %. Gleichzeitig sagen 10 % der 50- bis 69-Jährigen: „Ich will KI nutzen, aber mir fehlt das Wissen.“
Das zeigt: KI-Kompetenz entsteht nicht automatisch.
Wie kann ich mit der Entwicklung mithalten?
Nicht alle Menschen starten am selben Punkt. Jeder, der schon mal ein Changeprojekt geleitet hat, kennt sie. Aus vielen Jahren Projekterfahrung hat Karin Krobath eine humorvolle Einteilung vorgestellt:
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Gruppe |
Anteil |
Was sie brauchen |
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Identitäter: Sie wollen, tun und machen. Sind Frontrunner und Enthusiasten. |
20 % |
Raum zum Ausprobieren |
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Mitläufer: Sie brauchen Aktivierung und Begleitung, immer wieder einen Stups in die richtige Richtung. |
70 % |
Training, Unterstützung und Austausch |
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„Identitöter“: Sie sehen die Dinge grundsätzlich skeptisch bis negativ. Veränderung ist nicht ihres, raunzen schon. |
10 % |
Am besten man lässt sie in Ruhe. |
Für die große Gruppe in der Mitte reicht es nicht, ein KI-Tool bereitzustellen und auf Eigeninitiative zu hoffen.
Es braucht Aktivierung, Lernen und Austausch.
Auch bei Dynatrace zeigt sich, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Zugänge haben. Armina Steiner, Sr. Talent Acquisition Advisor bei Dynatrace, beschreibt den Umgang mit der Veränderung bewusst nicht als geradlinig:
„Man kann nicht immer alle gleichzeitig abholen, das ist uns auch bewusst.“
Gleichzeitig sei es wichtig, kritische Perspektiven nicht abzuwerten:
„Diese Sorgen oder Angst oder kritischen Denkweisen, die man hat, sind vollkommen in Ordnung und man sollte das keineswegs ignorieren oder auch runterspielen.“
Armina Steiner, Sr. Talent Acquisition Advisor @ Dynatrace
Die KI als Assistenz verstehen
Ein zentraler Mindset-Shift des Webinars lautet: KI ist weder Kumpel noch bloßes Werkzeug. Sie kann als Assistenz verstanden werden.
Karin Krobath beschreibt KI dabei nicht einfach als Werkzeug, sondern als virtuelle Assistenz mit enormen Möglichkeiten, aber ohne den Kontext der Organisation.
„Unser Zugang ist der, dass wir die KI als Assistenz in einer Assistenzfunktion sehen als eine virtuelle Person, die viel mehr kann als du selber, aber die auch den Kontext einfach nicht hat.“
Diese Assistenz kann also sehr viel leisten. Was ihr aber fehlt, ist der Kontext der Organisation: das Sozialgefüge, die spezifischen Regeln und das Wissen darüber, was innerhalb des Unternehmens sinnvoll ist.
Daraus folgt ein neuer Blick auf Führung:
Jetzt führen alle – prompt.
Mitarbeitende werden zu Führungskräften einer Assistenz, die Großartiges leistet – wenn sie richtig gebrieft und begleitet wird. Verantwortung und Haftung bleiben beim Menschen.
Oder, noch konkreter:
Wer promptet, führt.
Denn Führung wird zunehmend zu einer Fähigkeit: delegieren, briefen, prüfen, Feedback geben und Verantwortung behalten.
Das verändert auch die Rolle klassischer Führungskräfte. Sie müssen KI nicht zwingend technisch beherrschen. Entscheidend wird vielmehr, wie sie Orientierung geben, Nutzung ermöglichen und Lernen fördern.
Transformation braucht psychologische Sicherheit
Damit Menschen KI ausprobieren, müssen sie sich trauen, Neues zu testen. Dazu ist eine Kultur hilfreich, in der Fehler nicht automatisch als Scheitern gewertet werden.
Die Great Place To Work Daten zeigen genau hier einen deutlichen Unterschied: 95 % der Mitarbeitenden bei den Best Workplaces in Tech sagen, dass sie Dinge ausprobieren können, auch wenn etwas schiefgeht. Bei österreichischen Durchschnittsunternehmen liegt der Wert deutlich niedriger. Auch beim Erleben, Neues ausprobieren zu können, zeigen sich deutliche Unterschiede: Bei den Best Workplaces in Tech sagen 91 %, dass dies möglich ist.

Das ist für Führung mit KI entscheidend.
Denn eine lernende Organisation braucht einen Raum, in dem Menschen sagen können:
„Ich habe es ausprobiert. Es hat nicht funktioniert. Lass uns schauen, was wir daraus lernen.“
Genau hier verbindet sich KI-Readiness mit der Great Place To Work Perspektive. Ein großartiger Arbeitsplatz zeichnet sich durch Vertrauen, Teamgeist und Stolz für alle aus.

Dynatrace: So wird Führung mit KI zur Lernreise
Wie kann das konkret aussehen? Ein Praxisbeispiel aus dem Webinar liefert Dynatrace.
Dynatrace wurde vor 20 Jahren in Linz gegründet und ist heute die führende Observability Plattform in der AI-Zeit. Dynatrace unterstützt Unternehmen dabei, ihre Systeme, ihre Daten, und ihr Business zu verstehen. Mit Dynatrace können Unternehmen so schneller analysieren, automatisieren und innovieren. Bei Dynatrace spielt AI strategisch eine wichtige Rolle. Dabei ist es wichtig, rollenspezifische Anforderungen zu verstehen und diese zu unterstützen.
Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Rolle.
Dafür setzt Dynatrace unter anderem auf:
- rollenspezifische Trainings
- Austausch mit den Legal Teams zu Risiken und erlaubter Nutzung
- klare Leitplanken und Rahmenbedingungen
- einen AI Knowledge Hub für alle Mitarbeitenden Lateral Learning und Peer-to-Peer-Austausch
- kollaboratives Arbeiten
- interne AI Contests
Lernen durch Ausprobieren: Der AI Contest
Besonders anschaulich wird der Ansatz an einem Beispiel von einem der Recruiting-Teams. Die Aufgabe: Einen Prozess identifizieren, der verbessert werden soll, und dafür einen Agenten bauen.
Viele Teammitglieder hatten damit zuvor noch keine Erfahrung. Nach dem ersten Ausprobieren folgten zweiwöchige Sprints, in denen die Teams ihre Fortschritte präsentierten, Erfahrungen teilten und auch über Fehler und sogenannte „Fails“ sprachen.
Besonders passend zur Idee der psychologischen Sicherheit: Beim AI Contest gab es sogar eine Kategorie „Best Fail“. Ausgezeichnet wurde also auch ein Versuch, der nicht funktioniert hatte.
Das Ergebnis ist nicht nur mehr KI-Kompetenz. Armina Steiner beschreibt auch eine kulturelle Veränderung: Die Teams experimentieren schneller, trauen sich eher, KI auszuprobieren, und arbeiten stärker zusammen. Die Teamarbeit bei Dynatrace ist dadurch sogar noch gestärkt worden, mehr als sie davor schon war.
„Weil jeder gerade so viel lernt, ist der Austausch im Team total gewollt.“
Armina Steiner, Sr. Talent Acquisition Advisor @ Dynatrace
Von der Angstfreude zur Gestaltungsfreude
Führung mit KI bedeutet deshalb nicht, dass Führungskräfte sofort zu KI-Expert*innen werden müssen.
Es geht um etwas Grundsätzlicheres:
Orientierung geben. Lernen ermöglichen. Sicherheit schaffen. Verantwortung übernehmen.
Karin Krobath bringt es auf den Punkt: Der Weg führt von der Angstfreude in die Gestaltungsfreude. Dafür braucht es einen Mindset-Shift und eine Kultur, in der Menschen ausprobieren, voneinander lernen und ihre Erfahrungen teilen können.
Die entscheidende Frage für HR und Führung lautet daher nicht nur:
„Welche KI-Tools nutzen wir?“
Sondern:
„Welche Kultur brauchen unsere Mitarbeitenden, damit sie KI sinnvoll nutzen und mitgestalten können?“
Genau hier beginnt Führung mit KI.
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Über die Autorin
Cornelia Grill-Schubert ist Content Marketing Managerin bei Great Place To Work® Österreich und Expertin für Employer Branding, strategische Kommunikation und Workplace Culture. Sie verbindet fundiertes Wissen über Mitarbeiterbindung und Arbeitswelt-Trends mit kreativem Storytelling, um die Vision eines „Great Place To Work For All™“ sichtbar zu machen. Mit über 15 Jahren Erfahrung entwickelt sie Inhalte, die Vertrauen schaffen, Marken stärken und Unternehmen als attraktive Arbeitgeber positionieren.
Cornelia Grill Schubert verbindet tiefgehende inhaltliche Expertise mit strategischem Gespür: Sie macht die einzigartigen Daten von Great Place To Work für Zielgruppen verständlich, emotional nachvollziehbar und nutzbar – intern wie extern. Gemeinsam mit dem Team trägt sie wesentlich dazu bei, die Vision eines Arbeitsplatzes „For All™“ in Österreich zu verankern und weiterzuentwickeln.

