Wie entwickelt man sich zu einer High-Trust-Führungskraft? Die Antwort ist denkbar einfach: Indem man Vertrauen schafft. Vertrauen entsteht dabei in vielen kleinen Momenten – im Beruf genauso wie im Privatleben.
Heute haben wir Teil 2 unserer Leadership Blogserie für euch - mit neun zentralen Verhaltensweisen für Führungskräfte, die wir durch unsere Forschung identifiziert haben. Verhaltensweisen, die beim Aufbauen von Vertrauen helfen können – oder es zerstören, wenn man sie nicht für sich nutzt.
Diese Verhaltensweisen betreffen natürlich nicht nur Führungskräfte, sondern auch Mitarbeitende. Denn es gilt: Führungskräfte sind für etwa 70 Prozent des Mitarbeitenden-Erlebnisses verantwortlich. Die verbleibenden 30 Prozent werden durch die Kolleg:innen definiert – also dadurch, wie die Zusammenarbeit untereinander und im Team funktioniert.
Deshalb zählen die Anstrengungen jedes und jeder Einzelnen im Unternehmen, um einen „Great Workplace For All“ zu kreieren.
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1. Zuhören
Zuhören steht an oberster Stelle, denn wer nicht gut zuhören kann, kann sich auch die weiteren acht Verhaltensweisen nicht authentisch aneignen.
Zuhören bedeutet nicht nur, dass ihr aufmerksam seid und euch bemüht, jemanden zu verstehen. Oder dass ihr wartet, bis eine Person ausgesprochen hat. Als gute Zuhörer:innen müsst ihr offen für neue Perspektiven sein und die eigene Meinung in einem Gespräch zunächst ausblenden können.
Zuhören sollte auch proaktiv angelegt sein. Ein Beispiel: Als Führungskräfte solltet ihr bewusst auf Mitarbeitende zugehen, mit denen ihr schon länger nicht mehr direkt zu tun hattet.
Auch informelle Treffen wie ein gemeinsames Mittagessen sind ein geeigneter Rahmen für aufmerksames Zuhören.
Besonders wichtig ist, dass ihr regelmäßig Mitarbeiterfeedback (zum Beispiel in Form von Mitarbeiterbefragungen) einholt und diesen Rückmeldungen auch zeitnah konkrete Maßnahmen folgen lasst.
2. Sprechen
Zum Sprechen gehören Klarheit, Regelmäßigkeit, Transparenz und das Teilen von Informationen auf verschiedene Weise mit allen Mitarbeiter:innen. Ihr könnt damit außerdem zeigen, wie wichtig der Beitrag jeder einzelnen Person für den Erfolg eures Unternehmens ist.
Kommunikation umfasst nicht nur, was ihr sagt und zu wem. Es kommt auch darauf an, wie ihr Informationen weitergebt. Inkonsistente Botschaften können Vertrauen schnell untergraben. Ihr müsst eure Worte mit Bedacht wählen und darauf achten, dass ihr verstanden werdet.
Unternehmensnachrichten sollen regelmäßig über alle Kanäle mit den Mitarbeitenden geteilt werden (z. B. über Video, Intranet, E-Mail oder Printformate). Regelmäßige Meetings bieten sich dafür genauso an wie individuelle Gespräche.
Eines ist dabei zentral: Verbreitet Nachrichten und Neuigkeiten zuerst intern, bevor sie dann nach außen getragen werden. So fördert ihr eine Kultur der Transparenz im Unternehmen.
3. Dankbarkeit ausdrücken
Der Spruch „Nicht geschimpft ist gelobt genug!“ gehört ein für allemal in die Management-Mottenkiste. Indem ihr euch regelmäßig für gute Arbeit und besonderes Engagement bedankt, schafft ihr eine Kultur der Wertschätzung. Wenn ihr eure Dankbarkeit zum Ausdruck bringt, spüren die Mitarbeitenden, dass sie gehört werden und ein unverzichtbarer Teil eures Unternehmens sind.
Die Möglichkeiten dafür sind nahezu endlos – hier nur einige wenige Anregungen:
- Mitarbeiterpreise vergeben
- persönliche Dankesnotizen schreiben
- Fehler als Lernchance würdigen
- Mitarbeitende, die die Firmenwerte aktiv leben, vor den Vorhang holen
Schafft eine Kultur des Dankens. Damit steigert ihr nachhaltig das Werteempfinden der Mitarbeitenden und ihre Bereitschaft, stets ihr Bestes zu geben.
4. Entwicklung fördern
Zuhören und Sprechen helfen euch dabei, zu verstehen, wie sich jemand persönlich und beruflich weiterentwickeln kann.
Als Führungskraft ist es eure Aufgabe, Mitarbeitende nicht nur als Leistungsträger:innen, sondern als Menschen zu fördern. Kommt ihren Talenten und Interessen entgegen, etwa mit Kursangeboten (gerne auch abseits dessen, was sie nur im Job benötigen), Erstattung von Studienkosten, individuellen Entwicklungsplänen oder Trainings. Ihr könnt ihnen auch Mentor:innen an die Seite stellen oder versuchen, sie vermehrt für interne Stellenangebote zu begeistern.
Wenn ihr Feedback gebt, sollte es in Abstufungen erfolgen. Das heißt, die Mitarbeitenden sollten spüren, dass sie sich in euren Augen verbessern und weiterentwickeln. Wenn Menschen wahrnehmen, dass sich jemand um ihre Entwicklung kümmert, sind sie zutiefst dankbar. Denn schließlich möchte sich jede:r gerne weiterentwickeln.
Ihr könnt als Führungskraft auch eure eigene persönliche Entwicklungsreise vorleben. Das Teilen von Erfahrungen und Fehlern und das Lernen daraus kann sehr motivierend sein. Diese Offenheit zeigt, dass niemand perfekt ist und dass auf allen Ebenen immer Raum für Wachstum besteht. Auf diese Weise fördert ihr psychologische Sicherheit und Vertrauen.
5. Fürsorge zeigen
Fürsorge ist der Schlüssel, um das Potenzial eines Menschen voll auszuschöpfen. Denn: Großartige Leistung und Arbeit entstehen dort, wo Menschen sich einsetzen und mit Leidenschaft an eine Sache heran gehen. Mitarbeitenden zeigen zusätzlichen Einsatz und Gewissenhaftigkeit, wenn auch sie selbst Fürsorge erfahren. Dazu zählt, sich als Führungskraft für seine Mitarbeitende Zeit zu nehmen und echtes Interesse an beruflichen und privaten Themen zu zeigen, zuzuhören und zu verstehen.
Die Work-Life-Balance der Mitarbeitenden ist dabei ein wesentlicher Faktor. Unterstützende Maßnahmen für Mitarbeitende sind etwa flexible Arbeitszeiten, aber auch die Hilfe bei (persönlichen) Krisen. Die psychisch-emotionale Fitness aller Mitarbeiter:innen ist dabei das höchste Gut.
Die Work-Life-Balance zu fördern gelingt auch damit, Mitarbeitende zu erinnern, sich Auszeiten zu nehmen, um neue Energie zu tanken.
6. Teilen
Indem ihr Gewinne, Gehälter, Boni und Anreizprogramme fair verteilt, schafft ihr einen gerechten Arbeitsplatz. Um Vertrauen für alle aufbauen zu können, muss jede:r Mitarbeitende am Erfolg des Unternehmens teilhaben und verstehen, wie ihre/seine Leistung mit der Vergütung zusammenhängt. Hier lohnt sich auch ein Blick auf die EU-Richtline für Gehaltstransparenz.
Gerechtes und inklusives Teilen zeigt sich auch in Teamaktivitäten, bei denen jede:r die Möglichkeit zur Teilnahme haben sollte.
7. Feiern
Feiert die Werte eures Unternehmens und zeigt dabei, wie die Mitarbeitenden dazu beitragen, dass die Organisation ihre Ziele erreicht. Auch das ist ein wichtiger Bereich, den ihr als Führungskraft positiv beeinflussen könnt.
Seid dabei durchaus konkret, unterstreicht neben Teamerfolgen auch besondere Leistungen einzelner Personen. Auch hier solltet ihr auf eine faire Verteilung achten und immer wieder verschiedene Mitarbeiter:innen ins Rampenlicht rücken.
8. Inspirieren
Man muss kein:e großartige:r Redner:in sein, um Menschen zu inspirieren. Ihr könnt Mitarbeitende auch mit der Art und Weise inspirieren, wie ihr ihnen eine Frage stellt und ihnen eure volle Aufmerksamkeit schenkt.
Macht deutlich, welchen Unterschied euer Unternehmen in der Welt macht und warum die Arbeit der Mitarbeiter:innen so wichtig ist. Wofür genau tun sie, was sie tun? Und welche Erfolge sind ihren Bemühungen zu verdanken?
Auch hier gibt es eine breite Palette an Maßnahmen, unter anderem folgende:
- Kundengeschichten erzählen
- die Vision des Unternehmens teilen
- Verhaltensweisen würdigen, die auf besondere Art die Unternehmenswerte verkörpern
- den Beitrag des Unternehmens zur Branche oder zur Gesellschaft betonen
- die Verbindung zwischen Mitarbeiterleistungen und Unternehmenszielen aufzeigen
9. Einen herzlichen Empfang bereiten
Neue Mitarbeitende sollen herzlich empfangen werden und sich sofort willkommen fühlen. Ihr könntet neuen Mitarbeiter:innen schon vor dem ersten Arbeitstag eine aufmunternde E-Mail oder Postkarte schicken.
Auch die bestehenden Mitarbeitenden sollen mit einbezogen und informiert werden. Ihr könntet beispielsweise am ersten Arbeitstag ein gemeinsames Frühstück oder Mittagessen mit der Belegschaft (oder einem kleinen Team) planen.
Außerdem sollte am ersten Arbeitstag der Arbeitsplatz fertig eingerichtet sowie alle arbeitsrelevanten Unterlagen und Materialien vorbereitet sein.
Mit einem „Einschulungsplan“ für die erste Woche gebt ihr dem Neuzugang die nötige Orientierung. In vielen Unternehmen hat es sich auch bewährt, den neuen Mitarbeitenden Mentor:innen zur Seite zu stellen. In jedem Fall sollte ihr aber für eine Einschulung und Einarbeitung mit bestehenden Mitarbeitenden sorgen.
Fazit: Vertrauen aufbauen und es nicht zerstören
Um eine authentische und von Vertrauen geprägte Unternehmenskultur zu leben braucht es sowohl Führungskräfte als auch die Mitarbeitende, die einen wertschätzenden Umgang miteinander leben. Dazu zählen das Zuhören und Offen sein für neue Perspektiven und Ideen sowie eine transparente Kommunikation. Den Mitarbeitenden immer wieder Dankbarkeit auszudrücken zeigt von großer Wertschätzung und fördert die Motivation sowie die Einsatzbereitschaft. Bietet Raum für Wachstum - sei es in Form von Weiterbildungsmöglichkeiten oder durch das Teilen von persönlichen Erfahrungen und Lernerfolgen. Die Palette ist breit. Den Mitarbeitenden Fürsorge ermöglichen ist ein starkes Zeichen dafür, dass auch der Menschen und sein/ ihr Wohlbefinden eine enorme Wichtigkeit haben. Lasst euer Team am Erfolg des Unternehmens teilhaben und teilt gerecht. Feiert besondere Erfolge aber auch Errungenschaften einzelner Personen in eurem Unternehmen. Inspiriert eure Mitarbeiter:innen immer wieder und breitet neuen Kolleg:innen einen angenehme und freudvollen Einstieg in euer Unternehmen und eure Kultur.
Mit diesem 9 Verhaltensweise schafft ihr es, eine Kultur des Vertrauens und der Wertschätzung aufzubauen.
Über die Autorin
Anna-Maria Mahayni ist Content Creator bei Great Place To Work® Österreich und vereint ihre publizistik- und kommunikationswissenschaftliche Expertise mit über zehn Jahren Erfahrung im Unternehmen. Auf dieser Basis entwickelt sie hochwertigen Content rund um Unternehmenskultur, Mitarbeiterbefragungen und moderne Arbeitswelten.
Mit ihrer Leidenschaft für Sprache und das geschriebene Wort bereitet sie Trends der Arbeitswelt zielgruppenorientiert und inhaltlich präzise auf. Ihr Anspruch ist es, Leser:innen echten Mehrwert, neues Wissen und zugleich die Vision von Great Place To Work® zu vermitteln.
Darüber hinaus widmet sie sich mit großem Engagement der Sichtbarmachung von Best Workplaces. Sie erstellt professionelle Inhalte, die exzellente Arbeitgeber stärken, ihre Besonderheiten hervorheben und ihnen eine authentische Bühne bieten.
Gemeinsam mit dem Team trägt sie wesentlich dazu bei, die Vision eines Arbeitsplatzes „For All™“ in Österreich zu verankern und weiterzuentwickeln.
